{"id":6,"date":"2018-03-26T09:33:27","date_gmt":"2018-03-26T08:33:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geographischebildung.de\/wordpress\/?p=6"},"modified":"2022-12-26T16:48:39","modified_gmt":"2022-12-26T15:48:39","slug":"geographische-bildung-tut-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=6","title":{"rendered":"Geographische Bildung tut Not!"},"content":{"rendered":"<h4 style=\"text-align: left;\">Eberhard Schallhorn<\/h4>\n<h3 style=\"text-align: left;\">Geographische Bildung tut Not &#8211; \u00dcber Erfordernisse und Defizite geographischen Unterrichts in den Schulen.<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;Warum hat es die deutsche Geographie nicht vermocht, wesentliche Felder der in den letzten Jahren st\u00e4ndigan Bedeutung gewin nenden globalen Umweltforschung, speziell der Mensch-Umwelt-Beziehungen, zu besetzen und fortzuentwickeln?&#8220;<\/p>\n<p>Diese Frage von Eckart Ehlers (Ehlers, Eckart: Das Anthropoz\u00e4n. Die Erde im Zeitalter des Menschen.<br \/>\n(Darmstadt 2008), S. 239) ist bis heute (Februar 2018) unbeantwortet. Einen Grund daf\u00fcr sehe ich darin, dass sich die wissenschaftliche Geographie atomisiert hat &#8211; immer kleinere Forschungsbereiche nabeln sich von der Geographie ab und bilden eigenst\u00e4ndige Forschungsbereiche, ohne auch nur auf das gro\u00dfe Gemeinsame &#8222;Geographie&#8220; hinzuweisen.<\/p>\n<p>Das sei der Entwicklung des wissenschaftlichen Faches zugestanden. Dass aber selbst die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Geographie die Gemeinsamkeit der Geographie nicht aufrecht erhalten kann, ist kein Ruhmesblatt f\u00fcr die Geographie und f\u00fchrt eher zum Untergang des Faches als zu seiner St\u00e4rkung.<\/p>\n<p>Der Deutsche Kongress f\u00fcr Geographie in T\u00fcbingen im Herbst 2017 fand keinerlei Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit. Was war denn das Generalthema? Es gab keinen Pressespiegel, weil es keine Presseberichte gab. Die deutsche Geographie sank in die publizistische Vergessenheit &#8211; gleichwohl r\u00fchmten Vertreter der Geographie einen sehr erfolgreichen Kongress. Hier steht die Selbstbespiegelung Pate f\u00fcr eine Wahrnehmung \u00fcber die eigene Bedeutung, die an der Wirklichkeit nicht nur vorbeischrammt, sondern ihr diametral entgegengesetzt ist.<\/p>\n<p>Die Verantwortlichen reagieren entsetzt und ver\u00e4rgert auf derlei \u00c4u\u00dferungen. Und derweil bricht die sogenannte &#8222;Basis&#8220; der Geographie zusehends weg &#8211; die Geographie an der Schule, die ohnehin nur noch sp\u00e4rlich unterrichtet wird und nur dank eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz noch in der Oberstufe des Gymnasiums vorhanden ist. Wie es um ein Schulfach als &#8222;Basis&#8220; f\u00fcr die Hochschule bestellt ist, zeigt ein Blick auf andere wissenschaftliche Disziplinen: Es gibt in der Schule kein Fach &#8222;Jura&#8220;, es gibt keine &#8222;Betriebswirtschaft&#8220;, es gibt kein Schulfach &#8222;Medizin&#8220;, und viele wissenschaftliche F\u00e4cher k\u00f6nnen mit dem an der Schule Gelernten herzlich wenig anfangen &#8211; Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Geschichte&#8230;<\/p>\n<p>Aber es gibt gewichtige Gr\u00fcnde f\u00fcr geographischen Unterricht in der Schule und die Notwendigkeit fundierter geographischer Bildung, und es gibt gewichtige Gr\u00fcnde daf\u00fcr, den heutigen Geographieunterricht (wieder einmal) zu reflektieren: Ist er organisiert, wie es moderner Unterricht erfordert? Hat er in allen Schularten und Klassenstufen den inhaltlichen und methodischen Aufbau, der der Altersstufe der zu unterrichtenden Kinder angemessen ist? Entspricht er den gesellschaftlichen Erfordernissen von heute und denen f\u00fcr die Zukunft? Was kann Geographieunterricht, was der Unterricht in anderen F\u00e4chern nicht kann?<\/p>\n<p>Hier ein paar Hinweise, die in diese \u00dcberlegungen eingebaut werden k\u00f6nnten &#8211; dabei bem\u00fche ich mich, nicht dem neokonstruktivistischen Didaktikgeschwurbel zu verfallen:<\/p>\n<p><em><strong>Schule neu denken (von Hentig) \u2013 auch Geographie in der Schule neu denken<\/strong><br \/>\n<\/em>Auch wenn von Hentig inzwischen infolge pers\u00f6nlicher Umst\u00e4nde in die hintere Reihe der p\u00e4dagogischen Mainsetter getreten ist <em><strong><a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=295\">MEHR <\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>2018 &#8211; beinahe 50 Jahre nach Kiel (1969)!<\/strong><\/em><br \/>\n1969 wurde die L\u00e4nderkunde f\u00fcr die Geographie abgeschafft, und kaum einer hat sich dagegen gewehrt. Heute wird Regionalforschung <em><strong><a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=299\">MEHR <\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Interdisziplinarit\u00e4t &#8211; Markenzeichen und Kerngebiet der Geographie<br \/>\n<\/strong><\/em>Es gibt wohl nur wenige wissenschaftliche F\u00e4cher an den Universit\u00e4ten und Unterrichtsf\u00e4cher an den Schulen, die wie die Geographie Natur- und Sozialwissenschaften verbinden. <em><strong><a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=304\">MEHR<\/a> <\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Inhalte anderer F\u00e4cher: Bildbeschreibung, Statistik lesen, Diagramme zeichnen&#8230;<\/strong><br \/>\n<\/em>Die Geographie hat in den Stundentafeln der Schulen nur eine geringe Repr\u00e4sentanz. Trotzdem meinen wir Geographielehrer (zu) oft, die ganze Bandbreite schulischen Denkens und Strebens <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=308\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><strong><em>Fremdenphobie<\/em><\/strong><br \/>\nDie Geographie ist das eigentliche Fach, das unseren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern das Leben der Menschen in anderen Teilen der Welt unter anderen kulturellen Gegebenheiten vermitteln k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=312\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Geowissenschaftliches Gymnasium<\/strong><\/em><br \/>\nEin inzwischen gealterter, allerdings nie aufgegriffener Vorschlag. W\u00e4hrend um uns herum die spezifischen Ausrichtungen von Gymnasien aus dem Boden schie\u00dfen, halten sich geographische Interessenverb\u00e4nde vornehm zur\u00fcck, wenn es darum geht, das &#8222;Gymnasium mit geowissenschaftlichem \/ geographischem Schwerpunkt&#8220; zu fordern. <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=79\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Geowissenschaftlicher\/Geographie-Fachraum<\/strong><\/em><br \/>\nGeographieunterricht lebt von der Anschauung durch Texte, Bilder, Sammlungsgegenst\u00e4nde aus aller Welt (Gesteine, W\u00fcstensande&#8230;), Karten, Atlanten, Exkursionsausr\u00fcstungen&#8230; <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=316\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Lehrpl\u00e4ne\/Bildungspl\u00e4ne\/Curricula<br \/>\n<\/strong><\/em>Die Lehrpl\u00e4ne (oder Bildungspl\u00e4ne oder Curricula) der einzelnen Schulf\u00e4cher haben inzwischen f\u00fcr die Lekt\u00fcre durch Lehrkr\u00e4fte geradezu abschreckende Umf\u00e4nge erreicht. <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=319\"><em><strong>MEHR <\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Vom Nahen zum Fernen?<br \/>\n<\/strong><\/em>Es gab einmal einen Kultusminister in einem deutschen Bundesland, der gegen die Geographielehrerschaft seines Landes das Prinzip vom Nahen zum Fernen durchsetzte &#8211; und dann behauptete. <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=322\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Didaktisches<\/strong><\/em><br \/>\nVom Nahen zum Fernen ist ein Vorschlag zum methodischen Vorgehen im Geographieunterricht. Es gibt deren unz\u00e4hlige, und kaum ein Didaktiker vers\u00e4umt es \u00a0<a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=325\"><em><strong>MEHR<\/strong> <\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Weniger kognitive Inhalte in der Unterstufe, sondern Interesse wecken und staunen lassen \u00fcber die Welt<br \/>\n<\/strong><\/em>Es gibt ein sch\u00f6nes Gedicht des Romatikers Novalis: &#8222;Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren \/ Sind Schl\u00fcssel aller Kreaturen&#8230;&#8220; Warum behandeln wir mit unseren j\u00fcngeren Sch\u00fclern\u00a0 Bev\u00f6lkerungszahlen <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=328\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>PISA, OECD, empirische Bildungsforschung, Kompetenzen&#8230;<br \/>\n<\/strong><\/em>Die seit PISA 2000 von der OECD in die deutsche Bildungslandschaft erfolgreich implementierte Vermessung der Sch\u00fclerleistungen ist nicht nur ein Problem des Unterrichtsfaches Geographie <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=331\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Exkursionen, Feldarbeit, Arbeitsgemeinschaften, Geographie im Landschulheim&#8230;<\/strong><\/em><br \/>\nSo hie\u00df das fr\u00fcher, wenn man\/frau mit der Klasse Geographieunterricht &#8222;drau\u00dfen&#8220;, nicht &#8222;vor&#8220; Ort, sondern &#8222;am&#8220; ausgew\u00e4hlten Ort veranstaltete. <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=334\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Nachhaltigkeit<br \/>\n<\/strong><\/em>Der Verband Deutscher Schulgeographen kennzeichnet sich als Verband f\u00fcr \u201eNachhaltigkeitserziehung\u201c. Dieser Formulierung folgen allerdings nicht alle Landesverb\u00e4nde. Der Begriff &#8222;nachhaltig&#8220; <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=337\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Stadt, Land, Fluss<\/strong><\/em><br \/>\nEin h\u00fcbscher Zeitvertreib f\u00fcr zwischendurch: Mindestens zwei Spieler; der eine sagt &#8222;A&#8220; und spult murmelnd das Alphabet ab, der andere sagt irgendwann &#8222;Stop!&#8220;, und der Buchstabe <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=340\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>(Landschafts-) \u00d6kologie<br \/>\n<\/strong><\/em>Es erscheint durchaus bedauerlich, dass der landschafts\u00f6kologische Arbeits- und Betrachtungsansatz (Carl Troll 1939) nicht in der Geographie, schon gar nicht in der Schulgeographie Fu\u00df gefasst hat.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=343\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>EU, Brexit, Unterschiedlichkeit der Regionen<br \/>\n<\/strong><\/em>Ist den f\u00fcr Bildung Verantwortlichen eigentlich bewusst, dass die fatal geringe Bedeutung der Behandlung der Europ\u00e4ischen Union im Unterricht unserer Schulen &#8211; und wo denn bitte sonst als grundlegend im Geographieunterricht <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=346\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Tourismus \/Overtourism<br \/>\n<\/strong><\/em>Zu Zeiten, in denen sogar die deutsche Schulferienregelung R\u00fccksicht auf die touristischen Gewohnheiten nimmt, erscheint es besonders schwierig, aus geographischer Sicht \u00fcber Sinn und Unsinn <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=349\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><strong>Externalisierung<br \/>\n<\/strong><\/em>Auch wieder so ein Stichwort, das den Bildungs- und Finanzministern ein Argument liefert, dass die Geographie in der Schule gek\u00fcrzt geh\u00f6rt: Denn wer will schon <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=353\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Globalisierung<br \/>\n<\/strong><\/em>Ein besonderes Problem unserer Zeit ist die &#8222;Verdichtung von Raum und Zeit&#8220;, wobei in der Geographie insbesondere die Verdichtung des Raumes bedeutsam ist <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=356\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Internationale Wirtschaftsabkommen<br \/>\n<\/strong><\/em>Ein Thema, das in der Schule angesichts seiner \u00fcberragenden Bedeutung f\u00fcr die globalisierte Wirtschaft zu kurz kommt (weil der Geographie dazu die Stunden fehlen) <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=359\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Wettbewerbe<br \/>\n<\/strong><\/em>Ein gern benutztes Medium daf\u00fcr, \u00f6ffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit zu erlangen und zugleich den Vereinszweck \u2013 hier: Geographische Bildung st\u00e4rken \u2013 zu erreichen, ist die Kreation neuer oder die Mitwirkung an bestehenden Wettbewerben.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=385\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em> <\/a><\/p>\n<p><em><strong>Geographische Bildung<br \/>\n<\/strong><\/em>Es bleibt die Frage, was denn das nun ist: \u201eGeographische Bildung.\u201c\u00a0 Die Antwort ist ebenso schwierig zu formulieren wie die nach\u00a0 dem, was \u201eBildung\u201c insgesamt ist. \u00a0Aber man k\u00f6nnte sich vielleicht so einigen <a href=\"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=390\"><em><strong>MEHR<\/strong><\/em><\/a><\/p>\n<p><em><strong>&#8230; und nun?<br \/>\n<\/strong><\/em>Die hier angef\u00fchrten Inhalte sind bedeutsam f\u00fcr die geographische Bildung unserer Sch\u00fcler, der zuk\u00fcnftigen B\u00fcrger\/innen, die \u00fcber den Rand der eigenen Region hinausblicken und auf dem festen Boden von &#8222;Heimatbewusstsein und Weltkenntnis&#8220; (Slogan des Deutschen Schulgeographentages 1992) Einsicht in das Geschehen auf der Erde haben sollen. Sie \u00fcben damit das Denken in globalen Zusammenh\u00e4ngen, das seit dem Bericht des Club of Rome von 1972 \u00fcber die &#8222;Grenzen des Wachstums&#8220; angesichts der globalen Menschheitsprobleme f\u00fcr Gesellschaften und Einzelne unabdingbar ist. Es ist einsichtig, dass die &#8222;Kiste Schulgeographie&#8220; zu klein ist f\u00fcr die vielen Pakete, die in sie hineingelegt werden sollen. Und dabei ist noch Weiteres gar nicht erw\u00e4hnt, etwa Geologie und Gesteinskunde, Vulnerabilit\u00e4t der Erde, Meere, Wetter und Klima, B\u00f6den, Landschaftszonen, Siedlungen, Verkehr, Landwirtschaft, Kulturlandschaftsentwicklung und Landesplanung. Alles &#8211; oder, weil es ohnehin nicht zu schaffen ist: Nichts?<\/p>\n<p><strong>Fakt eins:<\/strong><br \/>\nEs gibt geographische Themen und Kompetenzen, die f\u00fcr das Verhalten und das Weltverst\u00e4ndnis unserer B\u00fcrger und damit die geographische Bildung unverzichtbar sind und in der Schule ihren Platz im Fach Geographie haben m\u00fcssen. Letztlich k\u00f6nnte die Auswahl bis etwa zwei Jahre vor dem Schulabschluss dem Fachlehrer, der Schule, den Sch\u00fclern und den Eltern gemeinsam in demokratischer Abstimmung \u00fcberlassen werden &#8211; auch wenn ich schon die besorgten und verst\u00f6rten Einw\u00e4nde der Eltern h\u00f6re, wie denn ihre Kinder beim Schulwechsel, vielleicht sogar in ein anderes Bundesland, oder gar beim &#8211; horribile dictu! &#8211; Wiederholen mit dem Fach zurecht kommen sollen. Ich h\u00f6re auch die abwehrenden Bastas! der Kultusb\u00fcrokratie: &#8222;Geht nicht!&#8220; Geht nicht, gibt&#8217;s nicht. Die Inhalte m\u00fcssen aber\u00a0 vom Fachlehrer Geographie mit angemessenen, fachimmanenten Methoden unterrichtet werden. Dabei muss der Fachlehrer das Alter seiner Sch\u00fcler\/innen und die Anforderungen des Schulabschlusses im Blick haben. Bei aller Vielfalt der m\u00f6glichen Themen verspricht weniger Inhaltsvielfalt\u00a0 die M\u00f6glichkeit gr\u00fcndlicherer Unterrichtung und Einsicht sowie besseres Verst\u00e4ndnis der geographischen Methode.<\/p>\n<p><strong>Fakt zwei:<\/strong><br \/>\nIn kaum einem Bundesland ist das Fach Geographie stundenm\u00e4\u00dfig so ausgestattet, dass heute das unverzichtbar erforderliche Mindest-Niveau der geographischen Bildung unserer B\u00fcrger erreicht werden kann. Es bleibt v\u00f6llig unklar, welche &#8211; p\u00e4dagogischen, bildungspolitischen, schulischen, fachlichen, finanziellen &#8211; belastbaren Argumente die Kultusbeh\u00f6rden als Grundlage ihrer gew\u00f6hnlich wortreichen Ablehnungen entsprechender Eingaben der Schulgeographie heranziehen.<\/p>\n<p><strong>Fakt drei:<\/strong><br \/>\nDie Forderung nach kontinuierlichem Geographieunterricht in allen Klassenstufen und Schularten mag altbacken, erneut l\u00e4stig wiederholt und ohne Ber\u00fccksichtigung vermeintlicher\u00a0 bildungspolitischer Sachzw\u00e4nge erhoben sein. Sie wird nicht eigenn\u00fctzig wegen des Faches Geographie erhoben, sondern aus gro\u00dfer Sorge um die geographische Bildung unserer B\u00fcrger\/innen, die schon heute oft zu wenig systemisch und komplex denken und\u00a0 argumentieren sowie bei raumbezogenen Fragen zu wenig Raumvorstellung und Sinn f\u00fcr Raumbeziehungen und Regionen haben.\u00a0 Sie ist deswegen weder falsch noch \u00fcberfl\u00fcssig. Sie bleibt wahr und notwendig. Ihre Erf\u00fcllung ist \u00fcberf\u00e4llig.<\/p>\n<p><strong>(Aber) Fakt vier<\/strong>: Es n\u00fctzt niemandem, wenn von Seiten der Geographie immer wieder und unverdrossen behauptet wird, Geographie sei DAS Umweltfach oder DAS Schulfach des 21. Jahrhunderts oder DAS unentbehrliche Schulfach, das nicht nur die geographische, sondern die Bildung insgesamt erretten werde. Die Schulgeographie ist ein Schulfach unter vielen, und jede Fachgruppe wird behaupten, dass sie unentbehrlich sei f\u00fcr die Bildung des k\u00fcnftigen B\u00fcrgers. Und der erkennt viel zu oft, dass er das, was er tats\u00e4chlich im Leben ben\u00f6tigt, jedenfalls in der Schule nicht gelernt hat. Um unsinnigsten halte ich die Hinweise sogar gestandener Lehrer\/innen, dass sie dieses oder jenes in der 8. oder 9. Klasse nicht zu behandeln brauchen, weil das doch schon in der 5. oder 6. Klasse behandelt wurde. Schon mal etwas von Entwicklungspsychologie geh\u00f6rt? Sorry, das ist nun wahrlich Nestbeschmutzung&#8230;<\/p>\n<p>Dass eine Diskussion gef\u00fchrt werden muss \u00fcber das, was zuk\u00fcnftige B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger als zukunftsf\u00e4higes R\u00fcstzeug in der Schule erhalten m\u00fcssen, bleibt unbestritten, wird aber nicht umgesetzt. Diese Diskussion wird nicht gef\u00fchrt. Dass aber auch erkannt werden muss, dass Schulf\u00e4cher ihre je eigenen Inhalte, Denkweisen und &#8211; ja! &#8211; Kompetenzen (nicht erst seit PISA!) vermitteln sollen und m\u00fcssen, bleibt ebenfalls unbestritten. Es ist aber unglaubw\u00fcrdig, wenn auf der einen Seite festgestellt wird, was im Schulfach Geographie alles vermittelt werden sollte oder m\u00fcsste, auf der anderen Seite aber die Stundenverteilung in der Schulwirklichkeit bedauernd erw\u00e4hnt oder sogar vergessen wird. Zwei Unterrichtsstunden Schulgeographie in dem einen oder anderen Schuljahr oder die M\u00f6glichkeit der Wahl des Faches im Abitur allein k\u00f6nnen die Welt auch nicht retten, ob es nun eine &#8222;Roadnap&#8220; gibt oder nicht!<\/p>\n<p>Die Schulgeographie kann sich nur behaupten, wenn Schulgeographen\/innen endlich ihre M\u00f6glichkeiten in der Schule n\u00fcchtern erkennen und sich auf sie auf der Grundlage ihres umfassenden wissenschaftlichen Knowhows bewusst beschr\u00e4nken. Das bedeutet eine verantwortungsvolle, aber mutige Durchforstung der eigenen Inhalte in der Schule. Das bedeutet aber auch inhaltlichen Verzicht und die Notwendigkeit, sich an die\u00a0\u00a0 psychologischen und p\u00e4dagogischen Gegebenheiten unserer Sch\u00fcler\/innen zu erinnern. Statistik oder\u00a0 systemische Darstellungen oder Textinterpretationen oder&#8230; haben in der Unterstufe nichts verloren, wo die Sch\u00fcler\/innen mit Schilderungen &#8222;aus der weiten Welt&#8220; f\u00fcr das Schulfach gewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn Geographen meinen, ihr Schulfach habe existentielle Inhalte, die unverzichtbar sind, dann m\u00fcssen sie benannt werden &#8211; aber andere m\u00fcssen mutig gestrichen oder &#8222;alternativ&#8220; gesetzt werden, denn Geographie ist sicherlich ein wichtiges, aber nicht das einzige zukunftsweisende Schulfach.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: left;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/h4>\n<p><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eberhard Schallhorn Geographische Bildung tut Not &#8211; \u00dcber Erfordernisse und Defizite geographischen Unterrichts in den Schulen. &#8222;Warum hat es die deutsche Geographie nicht vermocht, wesentliche Felder der in den letzten Jahren st\u00e4ndigan Bedeutung gewin nenden globalen Umweltforschung, speziell der Mensch-Umwelt-Beziehungen, zu besetzen und fortzuentwickeln?&#8220; Diese Frage von Eckart Ehlers (Ehlers, Eckart: Das Anthropoz\u00e4n. 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