{"id":805,"date":"2022-12-13T10:40:36","date_gmt":"2022-12-13T09:40:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=805"},"modified":"2022-12-13T10:40:36","modified_gmt":"2022-12-13T09:40:36","slug":"nur-22-fragen-an-die-schulgeographie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=805","title":{"rendered":"(Nur) 22 Fragen an die Schulgeographie"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eberhard Schallhorn<br><\/em>Fragen an die Schulgeographie (November 2022)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Viele der folgenden Fragen an die Schulgeographie sind schon oft gestellt worden. Beantwortet wurden sie nicht. Zweifellos gibt es engagierte und informierte Schulgeographinnen\/en, die aus pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung Vieles anders als bisher machen. Sie aber k\u00f6nnen nicht allein vermitteln, wie die organisierte Schulgeographie (der VDSG) das Schulfach nach au\u00dfen (Kultusbeh\u00f6rden, \u00d6ffentlichkeit) vertritt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun kann und soll man nicht erwarten, dass jemandem, der sich der Geographie verbunden&nbsp; f\u00fchlt, schon das Herz vor Freude h\u00fcpft, wenn er\/sie nur an Geographisches denkt. Das Gesch\u00e4ft eines Verbandsfunktion\u00e4rs ist n\u00fcchterner. Die (gew\u00e4hlten) Vertreter unseres Faches sind im Grunde genommen (Fach-)Politiker, die f\u00fcr sich die Notwendigkeit erkannt haben, das Fach objektiv zu st\u00e4rken und es f\u00fcr die Erweiterung der Bildung unserer Sch\u00fclerinnen\/er, den zuk\u00fcnftigen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern unseres Landes, zu nutzen. Diesem Leitbild folgen sie uneigenn\u00fctzig und dem Fach verbunden, das sie st\u00e4rken und entwickeln wollen \u2013 sine ira et studio, sondern \u00fcberlegt und aus \u00dcberzeugung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Statt aber das fr\u00fcher Erarbeitete zu benutzen, zu entwickeln und&nbsp; an die Gegebenheiten und Forderungen &nbsp;der Zeit anzupassen, werden immer neue umfangreiche Zukunftsperspektiven ohne Ber\u00fccksichtigung von Vorarbeiten von Gleichgesinnten erarbeitet, derzeit die, die sich originell \u201eRoadmap\u201c nennt und auf das Jahr 2030 zielt. Wenn man die Implementierungszeit dazu rechnet, wird es vielleicht 2040. Ist so viel Zeit? Letztlich wiederholen alle vorgeblich \u201ezukunftsweisenden\u201c Beitr\u00e4ge f\u00fcr das Schulfach Geographie h\u00f6chstens das, was in den vergangenen 100 Jahren recht erfolglos auf der Agenda des Schulgeographenverbandes stand. Auf programmatische Ver\u00f6ffentlichungen des VDSG wird in der Regel nicht Bezug genommen und aufgebaut, wo es m\u00f6glich erscheint \u2013 obwohl auch sie mit viel M\u00fchen von engagierten Geographinnen\/en erarbeitet wurden.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es w\u00e4re Zeit f\u00fcr p\u00e4dagogisch, didaktisch und methodisch angemessen zeitgem\u00e4\u00dfe, auch unkonventionelle Ideen und ihre Durchf\u00fchrung, auch solche, die vielleicht fr\u00fcher nicht auf Gegenliebe gesto\u00dfen sind. Sie sollten auf Gedanken und Vorstellungen des Verbandes Deutscher Schulgeographen aufbauen. Sie k\u00f6nnten aus unserem Fach heraus Anst\u00f6\u00dfe geben f\u00fcr die Schul- und Bildungsentwicklung. \u00dcberholtes sollte deutlich als solches bezeichnet werden.<br><br>Die folgenden \u201eFragen\u201c stelle ich aus grunds\u00e4tzlich positiver Motivation gegen\u00fcber der Geographie. Sie k\u00f6nnten Anregung zu fachlicher argumentativer Auseinandersetzung sein. Sie sollten nicht zu&nbsp; kurzschrittigen \u00c4u\u00dferungen f\u00fchren wie \u201eGeht nicht, haben wir alles versucht!\u201c oder \u201eMachen wir schon!\u201c oder gar \u201eDer alte Spinner \u2013 wo waren wir stehengeblieben?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Reihenfolge der folgenden \u201eFragen\u201c \u2013 die ich fortsetzen k\u00f6nnte &#8211; stellt keine wertende Rangordnung dar.<\/em><em><br><\/em><br>1<br><em>Zur Erinnerung aus den 1980er Jahren:<br><\/em>\u201eDas Verh\u00e4ltnis zwischen dem Didaktiker-Verband und dem Verband Deutscher Schulgeographen ist im Augenblick nicht ungetr\u00fcbt, bedingt durch Ver\u00f6ffentlichungen von Mitgliedern dieses Verbandes \u00fcber Themen, die unserem Aufgabenbereich unterliegen. Sie haben der Gemeinsamkeit nicht gedient. Au\u00dferdem haben Lehrplanver\u00f6ffentlichungen an anderer Stelle gegen vorherige Absprachen versto\u00dfen.\u201c (1981)<br>Die derzeitige VDSG-Verbandspolitik wird \u2013 nach meiner Anschauung \u2013 ma\u00dfgeblich durch einen Didaktiker vertreten, der aufgrund seiner Erfahrungen nur wenig f\u00fcr die Schulgeographie sprechen kann. Ist das so richtig \u2013 oder findet sich kein Schulpraktiker, der das \u00fcbernehmen k\u00f6nnte?<\/p>\n\n\n\n<p>2<br>In vielen Darstellungen zur Bildungspolitik in Deutschland wird aufgegriffen, was Hartwig von Hentig (urspr\u00fcnglich anerkannter P\u00e4dagoge und Didaktiker, sogar Leitgedankengeber eines baden-w\u00fcrttembergischen Lehrplanes f\u00fcr die Gymnasien) &nbsp;nach dem Titel eines seiner B\u00fccher zugeschrieben werden kann: \u201eSchule neu denken.\u201c Welchen Beitrag leistet dabei die Schulgeographie?<\/p>\n\n\n\n<p>3<br>Was tr\u00e4gt die Schulgeographie allgemein zur Schul-Bildung der deutschen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bei?<\/p>\n\n\n\n<p>4<br>Was ist das Spezifische, das die Schulgeographie im F\u00e4cherkanon der Schule zur Bildung unserer Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler beitr\u00e4gt?<\/p>\n\n\n\n<p>5<br>Welche Themen und Methoden muss die Schulgeographie angesichts ihrer unermesslichen inhaltlichen F\u00fclle in der Schule unverzichtbar bereithalten?<\/p>\n\n\n\n<p>6<br>Welche Rolle kann heute der Bereich Geopolitik im Geographieunterricht \u2013 auch als Grundlage f\u00fcr Rollenspiele &#8211; spielen, nachdem dieser Themenbereich aufgrund der historischen Erfahrungen marginalisiert wurde?<\/p>\n\n\n\n<p>7<br>Die Schulgeographie fordert seit nunmehr \u00fcber 100 Jahren die Zweist\u00fcndigkeit in allen Klassenstufen und Schularten \u2013 mit ersichtlich wenig Erfolg. Wie k\u00f6nnen&nbsp; geographische Inhalte im Schulunterricht \u00fcberhaupt gehalten und sogar gest\u00e4rkt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>8<br>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, geographische Inhalte in der Schule auch au\u00dferhalb des eigentlichen Schulfaches zu vermitteln?<\/p>\n\n\n\n<p>9<br>Ist eine Zusammenarbeit mit den \u00e4hnlich der Geographie in der Schule vernachl\u00e4ssigten F\u00e4chern Geschichte und Politik in einem Fach \u201eGesellschaftswissenschaften\u201c nicht doch erw\u00e4genswert &#8211; nachdem die Schulgeographie bisher ihre Eigenst\u00e4ndigkeit zwar weitgehend ebenso erfolgreich wie kompromisslos behauptet hat, das Fach in der Schule aber insgesamt nur&nbsp; wenig an Unterrichtszeit gewinnen konnte?<\/p>\n\n\n\n<p>10<br>Die Tatsache, dass Geographie in der Schule bei vielen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Interesse findet, dass es meistens als \u201esch\u00f6nes\u201c Fach bezeichnet wird, dass seine Inhalte von der \u00d6ffentlichkeit und von Eltern als \u201ewichtig\u201c bezeichnet werden, hilft wenig gegen die best\u00e4ndige Beschr\u00e4nkung seiner Stundenzahlen in den Schulen und damit die geringe Vermittlung wichtiger geographischer Inhalte und Methoden.&nbsp; Ein Gespr\u00e4ch zwischen der DGfG und der Kultusministerkonferenz brachte keinen erkennbaren Fortschritt, der Geographie wurde geraten, \u201eweiter so\u201c zu arbeiten. Ihre Belange gerieten vorerst in die Ablage &nbsp;\u201eWiedervorlage\u201c. Kritik dazu gibt es m.W. nicht. Warum behauptet die Homepage des VDSG gleichwohl die gute Zusammenarbeit mit der Kultusb\u00fcrokratie? &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>11<br>Auf meiner Homepage geographischebildung.de habe ich im Laufe der Zeit viele Inhalte, Zitate, Belege zusammengetragen, die zeigen, dass bei der \u00f6ffentlichen Darstellung der Schulgeographie nicht alles rund l\u00e4uft. Ich habe seit Bestehen der Website nicht eine einzige (positive oder negative) Kritik erhalten. Ist der (Schul-)Geographie alles egal?<\/p>\n\n\n\n<p>12\u201eWir wollen in der Schule keine Geographen ausbilden und auch keinen Sch\u00fcler unbedingt dazu bringen, Geographie zu seinem besonderen Lebensinhalt zu machen. Wir wollen aber, dass im Konzert der Begabungen und Bef\u00e4higungen auch die entdeckt und gef\u00f6rdert werden, die dem Fach Geographie in besonderer Weise entsprechen: N\u00e4mlich die Dualit\u00e4t zwischen Theorie und Praxis, das fach\u00fcbergreifende und f\u00e4cherverbindende Arbeiten, das Interesse an der Welt, ihrer Genese und ihrer Entwicklung sowie dem Leben der Menschen in ihr. Das Fach Geographie f\u00fchrt die Menschen zu nachhaltigem Verhalten, globalisiertem Verst\u00e4ndnis und interkulturellem Zusammenhalt. Das macht es wertvoll, das verleiht ihm seinen Anspruch, stark zu sein und gest\u00e4rkt zu werden.\u201c (E. Schallhorn, Schluss der Rede zum 100j\u00e4hrigen Bestehen des VDSG 2012) Ist das falsch?<\/p>\n\n\n\n<p>13<br>Liest man Aufs\u00e4tze \u00fcber Inhalte und Bedeutung der Schulgeographie, erscheint es, dass die Schulgeographie alles kann und alles will. Der Autor\/die Autorin kommt dann aber doch zu der Schlussfolgerung, dass all dies wohl kaum in nur manchmal zwei Unterrichts-Wochenstunden pro Schuljahr erreicht werden kann. Neben traditionellen wie zeitgem\u00e4\u00dfen geographischen Inhalten soll das Schulfach Geographie Vieles leisten, was auch oder besonders andere F\u00e4cher leisten m\u00fcssten: Textverst\u00e4ndnis, Bildbeschreibung, Medienkunde und -kritik, Textinterpretation, Auswertung von Statistiken, Zeichnungen, Interviews, Exkursionen etc. etc. Dazu soll die Schulgeographie Br\u00fcckenfach oder Integrationsfach sein, sich inhaltlich und methodisch in Sozial- und Naturwissenschaft gleicherma\u00dfen auskennen, f\u00fchlt sich als Naturwissenschaft, ist aber dem gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereich in der Schule zugeordnet und muss sich mit dem Faktum auseinandersetzen, dass im derzeitigen Anthropoz\u00e4n der handelnde Mensch die Natur zu \u00fcberformen droht. Ob mit solcher Rollenzuweisung und solchen Auffassungen die \u201eFreundschaft\u201c der anderen im F\u00e4cherkanon der Schulen vertretenen F\u00e4cher erreicht werden kann? Wo soll, kann und muss &nbsp;der richtige Schwerpunkt liegen?<\/p>\n\n\n\n<p>14<br>In Klasse 5 (des Gymnasiums) sind die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler um die zehn Jahre alt. Zehn! Wie k\u00f6nnen sie dann komplexe, systemische &nbsp;Inhalte \u2013 wie sie beispielsweise in geographischen Themen typisch sind \u2013 begreifen und\/oder verstehen und nicht nur nachplappern? K\u00f6nnen sie eine Vorstellung von den Zeiten und Quantit\u00e4ten entwickeln, die bei naturwissenschaftlichen Inhalten der Geographie eine bedeutende Rolle spielen (was im \u00dcbrigen auch Erwachsenen schwerf\u00e4llt)? \u00dcberdies sollen Lehrer\/innen in unteren Klassen der weiterf\u00fchrenden Schulen Defizite aus dem Grundschulunterricht ausgleichen \u2013 schlicht unterrichtet werden k\u00f6nnen, stillsitzen, Fragen formulieren, Toiletten in den Pausen nutzen (wenn sie bei Doppelstunden noch gemacht werden), das Erdkundeheft angemessen f\u00fchren, heute auch zunehmend: sich verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, zuh\u00f6ren, argumentieren und und \u2026&nbsp; Schule eben, nicht nur Geographieunterricht. Sollte Geographieunterricht entsprechend der F\u00e4higkeiten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nicht besser erst ab Klasse 7, dann aber weiterhin kontinuierlich unterrichtet werden?<\/p>\n\n\n\n<p>15<br>K\u00f6nnen Inhalte f\u00fcr den k\u00e4rglichen Geographieunterricht \u00fcberhaupt angemessen und sachbezogen so ausgew\u00e4hlt werden, damit es nicht von Stunde zu Stunde&nbsp; (wenn \u00fcberhaupt) zu inhaltlicher H\u00fcpfakrobatik kommt &#8211; diese Stunde behandeln wir das, in der n\u00e4chsten das, Ruhe und Verharren sind nicht angesagt?&nbsp; Wenn der Schwerpunkt der geographischen Behandlung nicht auf Inhalte, sondern auf Methoden und Einsichten gelegt w\u00fcrde, dann k\u00e4men wir weiter. Wenn das kontinuierlich in den unteren Klassen ab 5 zweist\u00fcndig ge\u00fcbt und st\u00e4ndig verfestigt werden k\u00f6nnte, k\u00e4men wir in h\u00f6heren zu der Einsicht der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, dass es Monokausalit\u00e4t nicht gibt \u2013 und allen heute so bekannten Vereinfachern der Sichtweisen&nbsp; k\u00f6nnte von vielen argumentativ widersprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>16<br>Ein wesentliches Argument vieler Schulgeographen\/innen f\u00fcr die Wichtigkeit ihres Schulfaches ist die Behandlung geographischer Inhalte in einem Zentralabitur. Seit \u00fcber 20 Jahren arbeite ich die Abituraufgaben Geographie f\u00fcr den Philologenverband so um, dass der sie ohne Konflikt mit Urhebergesetzen ver\u00f6ffentlichen kann. &nbsp;Ich halte das, was heutzutage an geographischem Abiturwissen abgefragt wird, f\u00fcr entbehrlich, weil es aus den beigef\u00fcgten Materialien ausgelesen werden kann \u2013 richtig lesen zu lernen ist aber nicht die zentrale Aufgabe des Geographieunterrichts. Wenn schon, dann sollte eine geographische Abituraufgabe so gestellt sein, dass der\/die Abiturient\/in in einer zusammenh\u00e4ngenden Darstellung&nbsp; methodische F\u00e4higkeiten erweisen kann (systemische Zusammenh\u00e4nge).&nbsp; Wenn das geographische Abitur (auch gegen den zu erwartenden Widerspruch der Hochschulgeographie) in der gymnasialen Oberstufe zugunsten von durchgehender (mindestens) Zweist\u00fcndigkeit des Faches in allen Klassenstufen und Schularten wegfallen w\u00fcrde, w\u00e4re mehr erreicht als wir heute haben.&nbsp; Die Schulgeographie kann ihre Berechtigung nicht von ihrem Dasein als&nbsp; Unterbau der Hochschulgeographie ableiten \u2013 wie es manche tun -, sondern ihr Hauptanliegen muss es sein, das spezifisch Geographische zur&nbsp; Bildung unserer Sch\u00fclerinnen\/er&nbsp; hinzuzuf\u00fcgen (siehe Punkt 4). Ist es also richtig, f\u00fcr die Teilnahme an der Abiturpr\u00fcfung die l\u00fcckenhafte Vertretung des Faches in den unteren Klassen zu tolerieren?<\/p>\n\n\n\n<p>17<br>Der Verband Deutscher Schulgeographen e.V. mit seinen Landesverb\u00e4nden ist&nbsp; in Deutschland die h\u00f6chste organisierte Institution, die sich f\u00fcr das Fach Geographie an den Schulen einsetzt. Daf\u00fcr muss er zukunftsweisend ausgerichtet sein und offensiv argumentieren. Dass die im Verband ehrenamtlich T\u00e4tigen ihr Fach \u201elieben\u201c und \u201ewichtig finden\u201c, muss vorausgesetzt werden. Das kann aber nicht alleiniger Ansatzpunkt f\u00fcr ihr Engagement sein. Brauchen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geographisches Wissen und Methoden&nbsp; auch dann, wenn ihr sp\u00e4terer Beruf mit geographischen Inhalten nur wenig involviert ist?<\/p>\n\n\n\n<p>18<br>Die seit nunmehr seit \u00fcber 50 Jahren bekannten und anerkannten \u201eGrenzen des Wachstums\u201c sind noch immer weitgehend nicht in der gesellschaftlichen Wirklichkeit so angemessen verinnerlicht, dass ein gesellschaftlicher und politischer Wandel Ma\u00dfgabe unserer Handlungsorientierung ist. Das in weiten Teilen der \u00d6ffentlichkeit bef\u00fcrwortete gro\u00dfe Engagement der Jugend hat zwar ein Bewusstsein f\u00fcr erforderliche Ver\u00e4nderungen geschaffen, nicht aber oder nur schleppend zu den ver\u00e4ndernden Ma\u00dfnahmen selbst gef\u00fchrt. Die Grenzen, an die die Menschen derzeit gesto\u00dfen sind, sind naturwissenschaftlicher, anthropogener, \u00f6kologischer, \u00f6konomischer, sozialer und politischer Natur, wobei alle Bereiche systemisch ineinander greifen. W\u00e4re es nicht angemessen, das Schulfach Geographie angesichts der Notwendigkeit wachsender und gr\u00f6\u00dferer gesellschaftlicher&nbsp; Akzeptanz f\u00fcr den Handlungsbedarf&nbsp; der Folgen des unzweifelhaften Klimawandels mindestens in einer mittleren oder h\u00f6heren Klassenstufe&nbsp; in \u201eKlima\u201c umzubenennen?<\/p>\n\n\n\n<p>19<br>Geographischer Unterricht mit methodischem Schwerpunkt auf Vermeidung von Monokausalit\u00e4t, auf systemischem Denken in komplexen Zusammenh\u00e4ngen, wie es der Geographie zu eigen ist, kann und wird Auswirkungen auf die Bewertung und die Aus\u00fcbung&nbsp; demokratischer Tugenden, Rechte und Pflichten haben. Kann darauf verzichtet werden, gerade auch in Zeiten, deren \u00fcberragende Merkmale Unsicherheiten, weltweite Egoismen, nationale Eigensinnigkeiten, Disproportionalit\u00e4ten oder Ungerechtigkeit sind \u2013 von \u00f6kologischen und \u00f6konomischen Grenzen des Wachstums auf einem gepl\u00fcnderten Planeten hier gar nicht zu reden?<\/p>\n\n\n\n<p>20<br>Mein langj\u00e4hriges Petitum f\u00fcr ein \u201egeowissenschaftliches Profil des Gymnasiums\u201c bleibt&nbsp; vom VDSG&nbsp; unbeachtet, obwohl es bei der zunehmenden Bedeutung geowissenschaftlicher Themen eine angemessene Reaktion auf den Aufkl\u00e4rungsbedarf der \u00d6ffentlichkeit darstellen k\u00f6nnte. Warum wird der Vorschlag vom VDSG schlicht \u00fcbersehen? Der Verband k\u00f6nnte auch in Zusammenarbeit mit der DGfG eine geowissenschaftliche Internats-Schule initiieren. In Zusammenarbeit mit einer Stiftung (z.B. Robert Bosch Stiftung) w\u00e4re eine entsprechende Einrichtung anzuregen, auch als Vorbereitung f\u00fcr den Studienbeginn in einem geowissenschaftlichen Studiengang, dann evtl. nur als Oberstufenkolleg \u2013 man muss nur etwas machen!. Beispiel: https:\/\/www.bosch-stiftung.de\/de\/thema\/robert-bosch-college-uwc<\/p>\n\n\n\n<p>21<br>\u201eAuch wenn Unterricht seine junge Menschen bildende Wirkung immer \u00fcber Vernetzungen entfaltet, die Fachgrenzen \u00fcberwinden, kommt der geographischen Integration in der Schule eine besondere Funktion als Alleinstellungsmerkmal zu. Dieses besteht in der Fokussierung auf den Raum in seinen unterschiedlichen Dimensionen, Verankerungen und Anspr\u00fcchen. Die Rolle als Experten f\u00fcr den Raum kommt der Schule den Lehrkr\u00e4ften mit der Fakultas f\u00fcr Erdkunde zu. (\u2026) Doch analysiert die Geographie nicht nur vergangene Prozesse, sie setzt sich ebenfalls mit aktuellen Wandlungen in R\u00e4umen auseinander, auch besch\u00e4ftigt sich diese Disziplin mit Prognosen f\u00fcr k\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen in der Geosph\u00e4re. Das Wissen von r\u00e4umlichen Disparit\u00e4ten (\u2026) geo\u00f6kologische Kenntnisse&nbsp; von weltweiten r\u00e4umlichen Zusammenh\u00e4ngern bei L\u00f6sungen f\u00fcr Reduzierungen der Folgen des Klimawandels wie bei der Besch\u00e4ftigung mit der Zukunft der Globalisierung \u2026[mit] r\u00e4umlichen Zusammenh\u00e4ngen im lokalen Gef\u00fcge (\u2026) bauliche Verdichtungen in St\u00e4dten und die dadurch verursachten Folgen f\u00fcr das Stadtklima (\u2026) Konzepte f\u00fcr intraurbane Verkehrsplanungen (\u2026) Raumplanung im Wirkungsgef\u00fcge Stadt-Land (\u2026) k\u00fcnftige Bedeutung von l\u00e4ndlichen R\u00e4umen im Hinblick auf die Daseinsgrundfunktionen ebenfalls ein Thema, das eine geographische Betrachtungsweise erfordert. (&#8230;) \u201c (Hon.-Prof. Dr. Fritz-Gerd Mittelst\u00e4dt in Profil Jan.\/Feb. 2022, Titel des Beitrags: \u201eErdkunde als schulisches Integrationsfach\u201c). Ob man dieses Statement als Lehrer an einer allgemeinbildenden Schule mal \u00fcberdenken sollte?<\/p>\n\n\n\n<p>22 (Fortsetzung von 21)<br>Schlie\u00dflich m\u00fcndet der Beitrag in folgenden Schlussfolgerungen: \u201eDamit sind nur wenige Inhalte geographischer Forschung und geographischer Bildung angesprochen, die Geographie und Geographiedidaktik seinerseits f\u00fcr elementar ansehen und auf die andererseits in exemplarischer Weise die bereits zuvor gestellte Frage bezogen werden kann: welche Bedeutung haben welche geographischen Inhalte und Forschungsziele im Hinblick auf r\u00e4umliche Zusammenh\u00e4nge von Querschnittsforschung? (\u2026)\u201c&nbsp; Wie war das noch mit Schulgeographie und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern?<\/p>\n\n\n\n<p>23<br>Zu VDSG\/Gesamtvorstand und DGfG\/Pr\u00e4sidium f\u00e4llt mir leider nichts ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eberhard SchallhornFragen an die Schulgeographie (November 2022) Viele der folgenden Fragen an die Schulgeographie sind schon oft gestellt worden. Beantwortet wurden sie nicht. Zweifellos gibt es engagierte und informierte Schulgeographinnen\/en, die aus pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung Vieles anders als bisher machen. 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