{"id":93,"date":"2013-02-02T15:38:34","date_gmt":"2013-02-02T14:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geographischebildung.de\/wordpress\/?p=93"},"modified":"2021-05-20T21:28:32","modified_gmt":"2021-05-20T20:28:32","slug":"bildungsstandards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geographischebildung.de\/?p=93","title":{"rendered":"Bildungsstandards"},"content":{"rendered":"<p>Seit PISA2000 sind Bildungsstandards das weitgehend unwidersprochene Nonplusultra der Bildungspolitik. In den &#8222;Bildungsstandards f\u00fcr den mittleren Schulabschluss f\u00fcr das Fach Geographie&#8220; &#8211; die von der DGfG erarbeitet wurden, aber von der KMK unerw\u00fcnscht waren &#8211; wird festgehalten, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geradezu ein komplettes geographisches Fachkompendium k\u00f6nnen und beherrschen sollen. Welcher Anspruch!<\/p>\n<p>Inzwischen regen sich gegen die Bildungsstandards vorsichtige Mahnungen, aber immerhin. Zum Beispiel:<\/p>\n<h3><em>Im Positionspapier des Deutschen Germanistenverbandes vom Juni 2012 wird angemerkt, dass die \u201emit dem individuellen (\u2026) Bildungsgang\u00a0 befassten Institutionen \u2013 seien es Berufs(fach-)schulen, Betriebe oder die gymnasialen Oberstufen (\u2026) \u2013 keineswegs automatisch voraussetzen\u201c k\u00f6nnen, dass \u201edie Absolventinnen und Absolventen der Sekundarstufe I im vollen Ma\u00dfe \u00fcber die Kompetenzen verf\u00fcgen, wie sie in den Standards beschrieben werden.\u201c <\/em><\/h3>\n<p><em>(Aus der Festrede zur Feier des 100. Gr\u00fcndungstages des VDSG in Gotha, siehe hier unter &#8222;F\u00fcr eine starke Geographie&#8220;).\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Aber auch schon fr\u00fcher gab es &#8211; entgegen dem Mainstream, deswegen wenig oder gar nicht beachtet &#8211; mahnende Stimmen:<\/p>\n<h3><em>Unbek\u00fcmmert um die Fragw\u00fcrdigkeit monokausaler Erkl\u00e4rungsmuster hielt im Sommer 2002 die Forderung nach der Entwicklung und Implementierung nationaler Bildungsstandards Einzug in den bildungspolitischen Ma\u00dfnahmenkatalog der Kultusministerkonferenz. (&#8230;) Die Forschungen der letzten drei Jahre scheinen die Skepsis gegen\u00fcber der kurzfristigen und mit unrealistischen Hoffnungen befrachteten Einf\u00fchrung von output-orientierten Bildungsstandards zu erh\u00e4rten (&#8230;). Die positiven Prognosen stellen sich bisher als unbewiesen (&#8230;) heraus, w\u00e4hrend Nebenwirkungen wie das teaching to the test und didaktische Reduktion, auch die Marginalisierung nicht standardisierter Schulf\u00e4cher zunehmend als Problem erkannt werden.<\/em><\/h3>\n<p><em>(Schneider, Barbara: Bildungsstandards. In: Dzierzbicka, Agnieszka, und Alfred Schirlbauer (Hg.): P\u00e4dagogisches Glossar der Gegenwart. Von Autonomie bis Wissensmanagment. Wien 2006, S. 31-38)<\/em><\/p>\n<p>Leider vermeidet auch die Geographie-Didaktik die kritische Auseinandersetzung mit dem Bereich Bildungsstandards. Stattdessen werden die Bildungsstandards Geographie geradezu trotzig an alle bildungspolitisch bedeutsamen Adressen\u00a0 und auch im Ausland als besonders positives Ergebnis deutscher geographiedidaktischer Forschung verteilt. Auf meine Hinweise\u00a0 auf die Fragw\u00fcrdigkeit der Bildungsstandards &#8211; wie sie heute verstanden werden &#8211; und der Notwendigkeit der kritischen Reflexion \u00fcber sie\u00a0 reagierte die deutsche Geographiedidaktik beleidigt und stur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit PISA2000 sind Bildungsstandards das weitgehend unwidersprochene Nonplusultra der Bildungspolitik. In den &#8222;Bildungsstandards f\u00fcr den mittleren Schulabschluss f\u00fcr das Fach Geographie&#8220; &#8211; die von der DGfG erarbeitet wurden, aber von der KMK unerw\u00fcnscht waren &#8211; wird festgehalten, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geradezu ein komplettes geographisches Fachkompendium k\u00f6nnen und beherrschen sollen. Welcher Anspruch! 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